Level des MonatsJeden Monat werfen wir einen näheren Blick auf einen herausragenden Level. Herausragende Levels sind dabei solche, die sich durch die höchsten Bewertungen durch die Spieler auszeichnen, und dabei zugleich von genügend vielen Spielern auch bewertet wurden. Es ist also Ihre Wahl, die den Level des Monats bestimmt. Bitte werten Sie Levels, nachdem Sie sie gespielt haben, und vergessen Sie nicht, die Wertungen zusammen mit Ihren Spielergebnissen zum Ende eines jeden Monats uns zuzusenden. Sie können alle vorigen Level des Monats in unserem Archiv finden. März 2008: „Psycho Pushing“ von Sven SiggelkowLieber Besucher, bitte seien Sie leise, wenn wir jetzt Enigma's Irrenanstalt betreten. Wie Sie sicher wissen, trägt der Verrückte von heute nicht mehr nur eine gespaltene Persönlichkeit mit sich herum, sondern eine ganze Cantormenge von Identitäten. Wie Sie sehen, ist jedes der vier Gebäude selbst nochmal geteilt in zwei getrennte Zellen für unsere Gäste. Bitte machen Sie sich keine Sorgen, die meisten sind ziemlich harmlose, phlegmatische Insassen unseres Instituts. Passen Sie nur auf, dass Sie hier nicht ebenfalls als Psycho enden, wenn Sie versuchen, sie in ihre Betten zu geleiten; willkommen bei „Psycho Pushing“! Enigma V # 45 - Psycho Pushing
Nicht viel hat sich seit dem letzten Monat in den Spielerratings verändert; genau genommen, waren alle Bewertungen stabil, mit „Island Labyrinth“ und „Quadropolis“ gemeinsam an der Spitze der Tabelle. „Psycho Pushing“ steigt auf Position 11 ein, knapp hinter „Big Adventures“. „Tarim hat sich in seine Studentenzeit zurückversetzt gefühlt“Ja, unsere Steine in Enigma hatten wirklich eine schwere Zeit. Von achtlosen Murmeln herumgeschubst zu werden, auf ewig in dunkle Abgründe zu stürzen, Objekte unter sich verstecken zu müssen, die die Murmel verzweifelt sucht, bereits als junger Samen per Post verschickt zu werden oder eine Ewigkeit in kaltem Wasser treiben zu müssen … und wann immer etwas schief geht, ist es ihre Schuld. Und obwohl die meisten Steine diese Behandlung auf die ihnen eigene, stoische Art tolerieren, kümmert sich Sven Siggelkow in „Psycho Pushing“ um diejenigen Steine, die es einfach nicht mehr aushalten konnten.
„Psycho Pushing“ ist Sven Siggelkows sehr schön gestaltete Studie in Sachen
komprimierte Komplexität. Acht winzige sokobanartige Puzzles - und jedes
Einzelne davon unmöglich zu verstehen, von welcher Seite man es auch immer
betrachtet - bis dann schlußendlich der Augenblick der Eingebung dämmert.
Tarim hat sich in seine Studentenzeit zurückversetzt gefühlt. Beim Einzug in
seine neue Bude musste er damals alle seine Möbelstücke in ein räumlich doch arg
begrenztes Zimmer schieben, und dann das Kunststück fertig bringen, die
einzelnen Einrichtungsgegenstände auf ihren vorgesehenen Platz zu befördern, und
während dieses Manövers auch noch jederzeit zu gewährleisten, dass für ihn
selbst wenigstens genügend Platz zum Stehen vorhanden blieb. Und nicht zu
vergessen, auch genug Raum frei zu lassen, um nach getaner Arbeit noch die Tür
öffnen zu können, und den Sieg über die Enge des Raumes im nächsten Pub zu
feiern.
Mit der Maus nicht gerade der Allerflinkeste, hat Tarim sich nicht erkühnt, ein
Wettrennen mit dem Felsblock zu wagen, um nach Betätigung des Schalters vor eben
diesem in den Raum ObenLinksEins zu gelangen. Es musste einen anderen Weg
geben... Es gab einen anderen Weg: Den Zauberstab in Raum ObenLinksZwei gleich
nebenan! Doch um an diesen zu gelangen, musste man zuerst das Puzzle in Raum
ObenLinksEins gelöst haben. Ein rekursives Paradoxon, dass sich nicht auflösen
ließ - bis es Tarim schließlich gelang, ein paar Holzblöcke aus Raum
ObenRechtsZwei herauszubefördern, und mit deren Hilfe durch den unter Wasser
stehenden Hintereingang Zutritt zu Raum ObenLinksZwei zu erlangen.
Derart war die Kraft dieses Levels, dass sie Tarim glauben machte, dass das
Unmögliche möglich gemacht werden kann - und genau auf diese Weise hat er es
auch endlich geschafft den Level zu lösen.
Wenn Sie sich beeilen, können Sie noch den Wärter sehen, wie er die erste Zelle unseres Komplexes betritt. Zwei Wächter sichern die Zelle, während der Wärter drin ist. Die drei Bewohner dieser Zelle leiden an Amnesie, durch zu viele, zu harte Schläge auf ihre Seiten. Und immer wieder vergessen sie, wo ihre Betten stehen. In der Zelle rechts haben wir drei Kleptomanen, die in einem namenlosen alptraumhaften Level Objekte unter sich verstecken mussten. Seien Sie bitte vorsichtig, man weiß nie, welche Dinge sie diesmal hereingeschmuggelt haben. Letztes Mal haben sie es geschafft, einen Schneemann in ihrer Zelle zu verstecken, der dann aber natürlich geschmolzen ist … bitte rutschen Sie nicht auf dem nassen Boden aus. „'Psycho Pushing' wurde einer meiner liebsten Levels“Die nächste Zelle beherbergt einige zwanghafte Spielernaturen auf Entzug. Nur keine Panik, es sind eigentlich ganz nette Kerle. Bevor sie vor einigen Monaten durchgedreht sind, waren sie als „Turnstiles“ beschäftigt. Bringen Sie etwas Rundes für sie zum Spielen mit, und Sie werden mit offenen Armen empfangen werden. Und sehen Sie sich vor, dass Sie nicht von dem hier zuständigen Wärter überrannt werden. Die Insassen der nächsten Zelle sind Pyromanen, die zu lange als ehemalige Wandsteine neben Explosivstoffen stehen mussten. Hoffentlich haben sie nicht schon wieder aus die leicht entflammbaren Reinigungsmitteln zusammengemixt haben, … sie versuchen stets, auf diese Weise auszubrechen. Ups …
Kein anderer Level hat bei mir in all den Jahren, die ich dieses Level kenne,
solch widersprüchliche Gefühlszustände verursacht, wie „Psycho Pushing“.
Zuerst war ich einfach nur frustriert von diesem Level, da ich nicht schnell
genug mit meiner Murmel war, das Puzzle oben links zu betreten, bevor die Samen
den Zugang verschlossen hatten. Ich sah all die herausfordernden netten
sokobanähnlichen Rätsel, aber ich musste erst zu den vielen anderen Levels
zurückkehren, die ich noch lösen musste, um meine Fertigkeiten zu verbessern.
Nach einiger Zeit kehrte ich zu diesem Level zurück. Nun hatte ich kein
größeres Problem mehr, die Puzzles zu betreten und konnte sie wirklich
genießen. „Psycho Pushing“ wurde einer meiner liebsten Levels.
Aber dann entdeckte ich, dass man einige der Puzzles abkürzen kann. Ich war
wirklich enttäuscht. All' diese schönen Rätsel und man muss einige von ihnen
umgehen, um einen guten Score zu erreichen? Ich dachte, die Abkürzungen müssten
repariert werden.
BANG, BOOM, BANG!
Aber mit der Zeit habe ich mehr und mehr Shortcuts entdeckt. Ich begann mich zu
fragen, ob sie nicht etwa eine beabsichtigte alternative Lösungsweise
darstellten. Diese Shortcuts zu finden und miteinander zu immer neuen
Lösungswegen zu kombinieren, entwickelte sich zu einer Herausforderung der
ganz eigenen Art. Wenn Sie sich meinen Weltrekord im „Einfachen Modus“
anschauen, können Sie sich sicherlich vorstellen, dass ich nicht allzuviele
der acht Mini-Sokobans auf die vorgesehene Weise gelöst habe. Können
Sie erraten wieviele? - Genau. Nur eineinhalb! Eineinhalb? Ja, dadurch, dass ich
in einem gewissen Raum nicht alle Steine auf die Trigger zu schieben brauchte,
habe ich nur einen Bruchteil der normalen Lösungszeit benötigt.
Letztlich hat Sven die Shortcuts beseitigt, jedoch nicht ohne vorher
einzuräumen, dass sie ausgesprochen interessant sind. Wenn Sie also
vorhaben, diese nicht eingeplanten Lösungswege näher zu untersuchen,
sollten Sie dies möglichst bald tun. Wahrscheinlich werden Sie noch
schnellere Lösungszeiten als ich erzielen können, während Sie
Steine schiebend durch die Puzzles von „Psycho Pushing“ rasen. Aber
nichtsdestotrotz freue ich mich auf die neue ausgebesserte Version. Meinen
Glückwunsch an Sven, und vielen Dank für diesen reizvollen Level.
In der ersten Zelle der südlichen Hälfte unseres Asyls befindet sich die geschlossene Abteilung für demenzkranke Steine. Den Großteil ihres langen Berufslebens in der Bolder-Branche tätig, haben sie auch jetzt noch die Neigung, sich spontan auf den Weg zu machen, bis sie sich plötzlich verirren, und dann orientierungs- und bewegungslos verharren, bis unser Pflegepersonal sie wieder zu ihrem Refugium zurückgeleitet. Zu ihrem eigenen Schutz haben wir daher beschlossen, sie hier in der geschlossenen Abteilung zu verwahren. Dies könnte ohne Weiteres schon geschehen, wenn einer von ihnen sich in die direkt nebenan liegende Abteilung verirren würde. Dort sind unsere Borderline Persönlichkeiten untergebracht. Viele Jahre waren sie für den Sicherheitsdienst Knight tätig, bis ein … Berufsunfall … sie vorzeitig in den Ruhestand versetzte. Bestens gerüstet gegen alle möglichen bewaffneten Überfälle, beispielsweise mit einem it-hammer, mussten sie sich allesamt einer mit it-sword ausgestatteten Murmel geschlagen geben. Vollkommen unfähig, diese traumatische Erfahrung zu verarbeiten, und immer noch von ihrer eigenen Unbesiegbarkeit überzeugt, leben sie seither in der Wahnvorstellung, die Begegnung hätte unentschieden geendet. Dieser immense innere Konflikt zwischen Wahn und Wirklichkeit verursacht eine gigantische latente Agressionsbereitschaft. Bitte seien Sie sehr vorsichtig, wenn Sie mit diesen Steinen sprechen, ein Schritt in die falsche Richtung, und ihre impulsiven Emotionen und Aktionen könnten Sie verletzen. „'Psycho Pushing' resultierte wieder aus dem Studium der alten Oxydlevels“Die siebte unserer Zellen bietet denjenigen unserer Gäste Unterkunft, die unter abnormer Klaustrophobie leiden. Sie haben einst in diversen Sokoban-Leveln gearbeitet, wurden dann aber vorsätzlich in irgendeine unzugängliche Ecke abgeschoben. Wir haben die Wände des Raumes aus Glas gestaltet, um das Innere weiträumig erscheinen zu lassen. Es scheint zu funktionieren: keiner der Insassen hat bisher über Engegefühle oder Beklemmungen geklagt. Sogar die Tür haben wir durch eine Art Brückensystem ausgetauscht, damit niemand das Gefühl hat, eingeschlossen zu sein. Ihre Nachbarn in Zelle 8 leiden unter einer besonders schweren Form von dissoziativer Identitätsstörung. Sie halten sich selbst für andere Gesteinsarten als sie es eigentlich sind, und versuchen diese anderen Arten zu imitieren. Dies geschieht sehr häufig mit Steinen, denen es aufgrund ihrer inneren Beschaffenheit nicht gelungen ist, sich an das Design ihrer Umgebung anzupassen, sehr tragisch. Fragen Sie jetzt bitte nicht, warum es denn vier Betten für nur drei Insassen gibt: Gelegentlich versteckt sich einer von ihnen derart geschickt, dass er sogar für unser geschultes Fachpersonal nicht mehr auffindbar ist. Und nun möchte der Direktor und Stifter unseres Instituts für Verwirrte Steine das Wort an Sie richten:
Es ist ja schon eine ganze Weile her, seitdem ich den Level zusammengebastelt
habe. Ich musste eine Weile nachdenken, aber ich erinnere mich: Es war im Juli
2003, als ich „Psycho Pushing“ vollendete. Er wurde zusammen mit 16
weiteren meiner Levels mit dem 0.81er Release von Enigma veröffentlicht.
Oh, ein Extraleben, sehr gut;
diese Mauern sind irgendwie angsteinflößend …
Meine Beziehung zu Enigma führt über die Originalspielidee von Meinolf
Schneider. Ich habe alle Oxydspiele bereits vor 20 Jahren auf meinem Atari ST
verschlungen. Zu meinem Leidwesen konnte man dort die Level nur sukzessive
spielen, also erst wenn man einen gelöst hat, durfte man den nächsten versuchen.
Das war manchmal sehr frustrierend. Über die Jahre hatte ich dann immer mal
wieder ein Spiel am PC durchgespielt.
Meine Favoriten waren immer die Linkspiel-Levels,
bei denen man zusammen mit einem Partner gemeinsam den Level lösen musste. Ich
hoffe sehr, dass das noch in Enigma umgesetzt wird, denn diese Spielfreude ist
wirklich ein Erlebnis.
Irgendwann bin ich dann mal auf Enigma gestoßen, und entschied mich, mein
Oxydwissen in Form von Fehlerberichten mit den Entwicklern zu teilen. Ich
wollte das Projekt wirklich vorwärts bringen, aber wie?
„Psycho Pushing“ und viele der Ideen meiner anderen Levels
resultierten wieder aus dem Studium der alten Oxydlevels. Sie alle waren nur
von der Größe eines Bildschirms, wie die sechs Meditationslandschaften, von
denen ich „What's the problem“ besonders bemerkenswert finde. Mit
„Psycho Pushing“, meinem dritten Level überhaupt, wollte ich einen
Mehrscreenlevel schaffen, wo diverse Böden, Elemente und Steine verwendet
werden. Daher habe ich wahrscheinlich auch alle möglichen Items versteckt, unter
den verschiebbaren Steinen am Rand, wovon die meisten irrelevant sind. Und
gerade der Schirm ist es wohl, der für diverse Abkürzungen sorgt, wie die von
Ronald kürzlich erwähnte. Allerdings können wohl nur wahre Füchse davon
Ich habe Enigma dann etwas aus den Augen verloren, aber vor kurzem konnte ich
meine sechsjährige Tochter von diesem Spiel begeistern und mit ein wenig Stolz
teile ich ihr dann mit, dass einige der Levels von mir sind. Vielleicht werden
ja noch einige folgen, denn mittlerweile bin ich selbst wieder begeistert und es
kommen ja immer einige neue Level dazu. Zudem ist es nicht so, dass ich schon
alle gelöst hätte ;-)
Meinen herzlichen Dank nochmal an das DEV-Team: Macht weiter so und lasst Euch
nicht unterkriegen!
Und vielen Dank an dich, Sven, für diesen fabulösen Level mit seinen acht „einen in den Wahnsinn treibenden“ Aufgaben. Und vielen Dank auch für das größte Geschenk: Einen neuen Fan! Abschließend ein Wort in eigener Sache. Im Namen von Harry und mir, möchte ich Ihnen allen, unseren treuen Lesern da draußen, danken, dass Sie durch das letzte Jahr hindurch bei uns gewesen sind. Zusammen mit Clifford, mit Yuriy und Joe konnten wir 12 Artikel über die besten Levels in Enigma verfassen. Allerdings tut es mir leid, hiermit ankündigen müssen, dass dieser LdM für eine lange Zeit der letzte LdM aus meiner Feder bleiben wird. Ich werde nun „zur Quelle zurückkehren“, da Enigma 1.1 verzweifelt zu schlüpfen versucht, und Ronald und Raoul helfen, dies geschehen zu lassen. Und auch selbst einige neue Levels schreiben zu können, etwas, dass ich im Laufe des letzten Jahres aus den Augen verloren hatte. Harry hat sich dazu entschieden, mehr seiner Zeit auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu verwenden, wie den „Goldenen Pfad des Levellösens“ weiter zu erforschen oder „Per Anhalter durch das Levelpack“ zu studieren - oder sich mehr seiner Handtuchsammlung zu widmen. Nichts - außer vielleicht „Worse Nightmare“ zu spielen - kann frustrierender sein, als einen Tripp mit einem Raumschiff zu verpassen, nur weil das eigene Handtuch nicht in guter Form ist. Aber solange er auf der Oberfläche dieses Planeten kriecht, hat er seine Dienste der Enigmischen Gemeinschaft als Mitglied der Redaktion angeboten. Und dort zukünftige Autoren zu unterstützen und anzuleiten, und von Zeit zu Zeit einen Kommentar oder Artikel selbst beizusteuern. Was bedeutet: Wir werden eine Redaktion anbieten, um Artikel und Spielerkommentare von Ihnen, unseren Lesern, zu veröffentlichen. Wenn Sie Enigma lieben, und zu schreiben lieben, bitte, schicken Sie uns einen Artikel über den Level, den Sie am meisten bewundern, oder mit dem Sie sich am besten selbst identifizieren können. Sie können ihn uns in Englisch, Deutsch oder Russisch zuschicken. Und natürlich gibt es keine Verpflichtung für weitere Artikel von Ihnen. Allerdings, lieber Leser, bitte denken Sie daran: Wenn Sie diesen Artikel nicht schreiben, wird es niemand tun. Wenn Sie sich nicht entscheiden können, welchen Level Sie beschreiben wollen, sind hier vier Levels, die hoch Bewertungen haben und die nächsten Levels des Monats geworden wären:
Bitte, senden Sie uns Artikel und Kommentare, als Spieler ebenso wie als Autor eines solch großartigen Levels, an: enigma-devel@nongnu.org Vielen Dank für Ihren Einsatz, die Zukunft des LdM hängt von IHNEN ab! Beste Grüße, |